Was uns in diesem Leben alles wahnsinnig macht

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Heute: Der Kampf um Anerkennung


Manche Menschen – und ich selbst zähle mich zu ihnen – werden im Leben andauernd gestochen wie von einer Biene. Diese Menschen sind deshalb ständig unruhig, können das Treiben auf der Welt nicht einfach apolitisch betrachten sondern wollen sich einmischen. Weder Therapeuten noch Philosophen oder sonst etwas können sie davon abhalten ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. Von ihren Mitmenschen werden sie dafür nicht gerade geliebt.

In den meisten Gesellschaften, insbesondere in solchen auf dem Weg zu “entwickelten” Gesellschaften, sind die angesprochenen Menschen nicht willkommen – so auch in der Türkei. Ihre Mitmenschen kritisieren sie und begründen dies noch damit, dass es nur “zu ihrem eigenen Besten” sei. Der eigentlich Grund für die Kritik ist aber der Versuch das Selbstbewusstsein der “Störenfriede” zu demolieren um sie in ihrem Wirken, ihrem Leben einzuschränken. Denn diese Menschen könnten ihr gewohntes Leben bedrohen.

Wenn man das so liest, wird schnell klar, dass die “Störenfriede” ein schweres Leben haben. Mir wurde es aber erst richtig klar, als mein Therapeut mich bei einem unserer Gespräche auf das Thema brachte. Ich las daraufhin mehrere wissenschaftliche Artikel, forschte eine Weile und kam letztlich zu einer Einsicht, die eigentlich auf der Hand liegt:

Der Mensch will Anerkennung.

 

 


Man will, dass das eigene Tun anerkannt wird. Man will geliebt werden. Und um um das zu bekommen setzt man alle Hebel in Bewegung. Vielleicht drehen sich alle Texte auf meiner Seite um dieses eine Thema, auch wenn es um unterschiedliche Dinge geht.

Um besser verstanden zu werden, hier ein paar Beispiele, um zu verdeutlichen, was ich meine:

Werfen wir zunächst noch mal einen Blick auf das Thema “Mobbing”. Oft werden Menschen gemobbt, die gut in ihrem Job sind. Doch ihre Arbeit findet keine Anerkennung sondern wird abgelehnt oder schlicht ignoriert. Der Gemobbte wird so in ein Spiel hineingezogen, das wie die Falle in einem Märchen ist und eine ebenso gemeine wie wirksame Quälerei darstellt.

Hat diese Folter irgendwann ihr Ziel erreicht, stoßen die Personen, die Sie loswerden wollten, auf den Sieg an – wie in einem schlechten Film. Denn sie gehen. Sie haben nicht mehr dagegenhalten wollen, weil sie es nicht ertragen als “Störenfried”, “problematische Person” usw. gesehen zu werden. Sie haben die Nase voll davon gemobbt zu werden und Selbstzweifel nagen an Ihnen. Vielleicht wollten sie einfach nicht noch mehr Probleme zur Sprache bringen und dann wieder dafür gehasst werden. Alles in allem sind sie am Ende, weil Ihnen eines fehlt: Anerkennung. Das Gefühl gemocht zu werden. Sie begreifen, dass sie das Spiel verloren haben auch wenn sich die Teile des Puzzles langsam zusammensetzen. Es ist zu spät, zu schade und vor allem wahnsinnig ungerecht.

Ein anderes Beispiel finden wir in der Liebe (oder dem, was wir dafür halten). Menschen brauchen andere Menschen und in ihrer verzweifelten Suche denken sie manchmal, dass sie lieben oder sich verliebt haben obwohl sie sich nur etwas vorspielen. Diesen Irrtum begehen sie dann, wenn sie die Objekte ihrer Zuneigung nach rein materialistischen Kriterien wählen.

Wir leben einen Konkurrenzkampf um die Liebe der anderen, der uns innerlich schreien lässt “Wähle mich! Wähle mich, ich bitte Dich!” Natürlich tun wir das nicht bewusst, aber wenn wir unser Treiben mal mit ein wenig Abstand beobachten können wir den Kampf leicht erkennen. Bei Erich Fromm gibt es eine Stelle, die sehr gut dazu passt:

[...] geht es für sie nur darum, wie man es erreicht, geliebt zu werden, wie man liebenswert wird. Um zu diesem Ziel zu gelangen, schlagen sie verschiedenen Wege ein. Der eine, besonders von Männern verfolgte Weg ist der, so erfolgreich, so mächtig und reich zu sein, wie es die eigene Stellung möglich macht. Ein anderer, besonders von Frauen bevorzugter Weg ist der, durch Kosmetik, schöne Kleider und dergleichen möglichst attraktiv zu sein. Andere Mittel, die sowohl von Männern als auch von Frauen angewandt werden, sind angenehme Manieren, interessante Unterhaltung, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und Gutmütigkeit. Viele dieser Mittel, sich liebenswert zu machen, sind die gleichen wie die, deren man sich bedient, um Erfolg zu haben, um Freunde zu gewinnen.”

(aus: Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, Kapitel 1)

Beim Lesen dieser Sätze von Fromm fühlte ich mich als Mensch erniedrigt. Aber ich wusste auch, dass er recht hatte. Man kann diese richtige und wichtige Analyse konstruktiv akzeptieren und Lösungen für sein eigenes Leben daraus ableiten. Für mein Leben suche ich eine Lösung, die mir Ruhe geben wird.

Zum Abschluss noch ein Zitat von meiner früheren Deutschlehrerin, der mir zum Thema einfällt:

Wenn euch jeder mögen würde, so würde das bedeuten, dass ihr entweder keinen Charakter habt und apolitisch seid oder einen problematischen Charakter habt und zu politisch seid. Genauso ist es, wenn ihr jeden mögen würdet.”

Heutzutage – und gegeben unser Bedürfnis nach Anerkennung – ist es so, dass man besser von allen gemocht wird um nicht als Gefahr angesehen und dafür gequält zu werden. Vor allem, wenn man nicht in “guten Händen” ist, die einen wieder auffangen, kann das sehr schädlich sein. Es ist sehr schade, dass es so ist und vielleicht sind sich deshalb immer mehr Menschen in vielerlei Hinsicht immer ähnlicher.

So viel für heute zu den Dingen die mich aufregen und verrückt machen. Ich wollte das einfach loswerden! Ich werde krank davon!

Filiz DURMAZ  &  Oliver WILL

Comments: 6 Comments

6 Responses to “Was uns in diesem Leben alles wahnsinnig macht”

  1. blauesmeer sagt:

    Alles,was ich in diesem Artıkel gelesen habe,hat mich wirklich erstaunt.Denn ich wusste wirklich nicht,dass solche Menschen,die das Treiben auf der Welt nicht apolitisch betractet werden,im Grunde das Gefühl hatten,geliebt zu werden..oder ob sie wirklich Anerkennung wollen..Mir fallen viele Fragen ein;So viele demonstrierende Leute auf der Welt haben denn dieses Gefühl im Grunde? Oder die Leute,die ihre Meinung frei ausdrücken,wenn sie etwas dagegen sind? ZB,will ich geliebt werden,wenn ich die Gesundheitspolitik der Regierung falsch finde und protestiere…???Jetzt habe ich von diesem Artıkel den Grund gelernt…Was soll ich tun?? Soll ich schweigen???

  2. Olli sagt:

    Ich denke jeder Mensch braucht Anerkennung und Liebe ist eben eine Form von Anerkennung. Menschen, die unbequeme Dinge ansprechen, stoßen aber oft auf Ablehnung. Sie können dann entweder still sein und darauf hoffen wieder gemocht werden oder wie bisher ihre Meinung sagen und sich weiteren Unmut zuziehen. Manchmal mag es ein sinnloser Kampf sein und dann ist Schweigen vielleicht angebracht. In vielen anderen Situationen lohnt es sich wohl auf die Anerkennung zu verzichten und zu kämpfen. Jeder muss wohl selbst entscheiden, wann er sich für welche Option entscheidet.

  3. blauesmeer sagt:

    DAnke,Olli..:) Hmmm …In manchen Situationen lohnt es vielleicht wohl darauf zu verzichten..Aber ich habe eigentlich soziale Situationen gemeint.Man soll auch nicht vergessen,dass man viele Rechte so bekommt,indem man manchmal lange Jahre kaempft.Ich möchte Filiz eine Frage stellen.Sie kennt sicher Deniz Gezmiş und seine Freunde..Haben diese Menschen alles dafür getan,um geliebt zu werden…??

  4. Flitz sagt:

    Man solle einfach nur tun was den jenigen glücklich macht.
    Anerkennung ist natürlich wichtig aber in dem Sinne wenn man so ist wie man ist!!!
    man solle das für sich selber tuen und nicht der Form anpassen das war ja auch die Kritisierung.
    aber es ist natürlich sehr toll wenn deine Lehrerin oder dein Geliebter dich anerkennt was kann schöner als das sein.Man solle halt so geliebt werden könne wie man ist!
    Die Erwartungen der Menschen ist einfach meiner Meinung zu hoch obwohl es eigentlich sehr schlicht ist.
    Der E.Fromm sagt wirklich sehr viel zum Thema man muss ihn lesen.
    Aber ich LIEBE EUCH SO WIR SEID!!!

  5. Flitz sagt:

    Also man macht mit Bewusstheit natürlich nicht manches um geliebt zu werden jedenfalls redet sich der Mensch das so ein aber wenn man zu sich selber ehrlich ist ,
    “ja jeder tut alles um geliebt zu werden”.

    So hat es auch der Deniz Gezmiş ( hab sehr grossen Respekt zu ihm) und auch andere wie Guevara, Hitler , Bush und ahnliche Menschen gemacht.Die Methoden arten und natürlich die Menschen die sie angesprochen haben waren nur anders.Aber jeder hat eine masse von menschen gebildet die Sie geliebt haben. Deswegen gibt es ja auch auf der Welt immer einen Kontrast!
    Also muss man diese Sache eher sehr wissenschaftlich und soziologisch sogar vielleicht nur rein Psychologisch betrachten.

    Hier taucht jetzt die Frage auf ‘ was macht dann den Unterschied’ wenn alle im Sinne das gleiche İnnere natur haben.’

    Da ist die Antwort auch eigentlich sehr einfach:

    “wenn der Hintergedanke des Menschens gut ist dann muss mal alle Menschen einfach umarmen können”.

  6. blauesmeer sagt:

    “…Man solle einfach nur tun was den jenigen glücklich macht.
    Anerkennung ist natürlich wichtig aber in dem Sinne wenn man so ist wie man ist!!!..”

    “..Hier taucht jetzt die Frage auf ‘ was macht dann den Unterschied’ wenn alle im Sinne das gleiche İnnere natur haben.’

    Da ist die Antwort auch eigentlich sehr einfach:

    “wenn der Hintergedanke des Menschens gut ist dann muss mal alle Menschen einfach umarmen können”…..” Das ist die Hauptsache ,meine ich auch..:)

    Aber ich habe von dir und Olli etwas Neues gelernt und das macht mir grossen Spass. Lernen hat ja kein Alter…:)
    Ich danke euch dafür….