Kaugummi raus,Frau Erdoğan!

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Heute morgen habe ich mich mal wieder sehr aufgeregt! Der Grund? Artikel aus der türkischen und deutschen Zeitungen über das „Kaugummi Verfahren“ der Tochter des türkischen  Ministerpräsidenten.

Sümeyye Erdoğan ist die Tochter des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Im Moment können Sie auf Sümeyye Erdoğans Facebook-Seite über das, was im türkischen Staatstheater in Ankara passierte, lesen.

In der letzten Woche ist Sümeyye Erdoğan mit einer Freundin, beide tragen Kopftuch, ins Theater „Der junge Osman“ gegangen. Während der Vorstellung saß Sie in der ersten Reihe mit einem Kaugummi im Mund, den Sie hin und her kaute.

Ich weiss nicht, wie es hier in Deutschland ist, aber in der Türkei herrschen auch im Theater verschiedene Normen, an die man sich halten sollte. Wenn man sich ein Theaterstück ansieht, sollte man seine Aufmerksamkeit auf den Künstler richten. Wer im Theater Kaugummi kaut, muss sich nicht wundern, wenn sein Verhalten als Respektlosigkeit verstanden wird.

Das gilt auch, wenn man Sümeyye Erdoğan heißt.


Sümeyye Erdoğan sagt, dass niemand in diesem Jahrhundert ernsthaft der Meinung sein kann, dass Kaugummikauen im Theater eine Respektlosigkeit gegenüber dem Schauspieler ist! Sie empfiehlt denjenigen, die das behaupten, ein bisschen in der Welt herumzukommen.

Ich würde aber auch Sümeyye Erdoğan empfehlen – wenn Sie ja die Welt so gut kennt – mal die Normen in anderen Ländern genauer anschauen.

In unterschiedliche Länder, Regionen oder auch öffentlichen Plätzen herrschen unterschiedliche Normen. Ob das gut oder schlecht ist, ist ein ganz anderes Thema. Diese Normen helfen uns häufig des Zusammenleben zu erleichtern.

Eine der deutschen Normen ist z.B. die, dass man sich nicht zu verspäten soll. Unpünktlichkeit wird als Respektlosigkeit verstanden. Bei den Südländern dagegen ist das nicht so.

Ein anderes Beispiel: Wenn man in eine Oper geht, da man sich schick an, man fotografiert nicht, redet nicht. Man tut alles um die Ruhe zu bewahren. An anderen Orten, beispielsweise bei Rockkonzerten gelten andere Normen.

Das sind alles Themen, über die auch in den Sozialwissenschaften geforscht wird.

Doch in dieser Situation muss man sich erst darüber klar werden, dass Frau Erdoğan nicht wegen Ihres Kopftuchs provoziert oder angegriffen wurde. Zuerst hat der Künstler mit Gesichtsausdrücken versucht seinen Unmut über das Kaugummi kauen auszudrücken. Sümeyye Erdoğan hat dieses in ihrem Brief so ausgedrückt, als würde Sie wegen Ihres Kopftuches kritisiert. Das ist natürlich keine friedliche Interpretation. Als Sie weiter gekaut hat, hat der Schauspieler das Stück gestoppt, ist nah an Sie nah heran gegangen und hat gesagt, dass Sie das Kaugummi rausnehmen solle. Das ist eine Norm, die in Theatern in der Türkei für jeden gilt.

Ich finde, der Schauspieler hat nicht akzeptieren wollen, dass die Mächtigen der Gesellschaft tun können, was Sie wollen. Er war der Meinung, dass Sümeyye Erdoğan sich wie jeder andere im Salon benehmen muss und hat daher mit einer radikalen Art gezeigt, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist.

Doch die Sümeyye Erdoğan verteidigt sich nun in Facebook und interpretiert dabei die ganze Sache auf einer Art, bei der man denken könnte, dass in der Türkei Kopftuch tragende Menschen leiden würden.

Das ist eine Art von Politik und Marketing und entspricht nicht der Wahrheit. Ich selber lebe in dem Land und habe so was nur bei politischen Konflikten mitbekommen und nicht im Alltag.

Niemand hat etwas gegen das Kopftuch. Das Problem ist eher, dass die Religion ausgenutzt und als politische Waffe benutzt wird.

So breitet sich auf der ganzen Welt Getratsche aus, durch das die Leben von immer mehr Menschen beeinflusst wird. Das führt dazu, dass das Leben in der Gesellschaft von Vorurteilen beeinflusst bestimmt ist.

Dieses Geschehen im Theater hat nun dazu geführt, dass die Behörden gegen den Schauspieler ermitteln.Unglaublich!!!

Ich hoffe nur, dass das nicht wie bei dem Pınar Selek – Verfahren ein endet.

Wüsche Ihnen einen Tag ohne Kaugummiprobleme:)

f.durmaz

Foto von: http://www.oup.com/uk/i-cafe/main/index/de/issue_19/05/

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